Fernreisen mit Kind-das musst Du wissen!

 In Allgemein

Hallo, meine Lieben!

Vor längerer Zeit erzählte mir ein Freund, er hätte den Traum, nach Südamerika zu reisen. Er ist ein sehr abenteuerlustiger Mensch und betreibt einige gefährliche Sportarten. Nun hat er aber einen 2-jahrigen Sohn und als er mir von seinem Traum erzählte, begann ich sofort, darüber nachzudenken, ob und inwiefern ein solcher Urlaub mit einem so kleinen Kind wohl möglich ist und es entstand die Idee zu diesem Artikel.

Kinder auf Fernreisen-die Vorbereitung

Der kindliche Organismus reagiert um vieles empfindlicher auf Reize, wie Sonne, Hitze, Luftfeuchtigkeit und Höhenlage. Dazu kommen das fremde Essen und ein evtl. niedriger Hygienestandard im Reiseland.

Kinderärzte empfehlen, vom Säuglingsalter bis zum Schulalter auf Fernreisen in die Tropen zu verzichten.

Erstens sollte ein Kind alt genurg sein, damit es den Urlaub auch bewusst erleben und genießen kann, zweitens kann man einem älteren Kind viel leichter begreiflich machen, dass es gewisse Vorsichtsmaßregeln in puncto Hygiene beachten sollte.(z.b. keine fremden Tiere streicheln-Tollwutgefahr! Oder keine Leitungswasser trinken wegen möglicher Infektion mit Erregern)

Sollte eine solche Fernreise beispielsweise aus beruflichen oder familiären Gründen unumgänglich sein, gilt es, folgende Dinge gewissenhaft zu beacheten:

Ausreichender Impfschutz

Zunächst natürlich bezüglich der Standard-Impfungen:

  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Varizellen (wg. sehr schwerer bis lebensbedrohlicher Krankheitsverläufe von Masern in den Tropen)
  • Tetanus
  • Diphterie
  • Kinderlähmung( Poliomyellitis)
  • Keuchhusten
  • Hepatitis A und B( Mindestalter für die Hepatitis A-Impfung: 12 Monate)

Es wird empfohlen, Kinder nach den Richtlinien der ständigen Impfkommission( STIKO) impfen zu lassen.

Abhängig vom Reiseziel kommen noch dazu:

  • FSME ( Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine durch Zecken übertragene Gehirnhautentzündung) (Mindestalter: 1 Jahr für den Kinderimpfstoff)
  • Influenza(  Mindestalter: 6 Monate)
  • Tollwut( Mindestalter unter einem Monat=0 Monate)
  • Gelbfieber( Mindestalter: 9 Monate)
  • Japanische Enzephalitis ( Mindestalter: 2 Monate)
  • Thyphus ( Mindestalter: 12 Monate bei oraler , 2 Jahre bei parenteraler Gabe des Impfstoffes per Injektion )
  • Cholera ( parenterale Gabe per Injektion, Mindestalter: 2 Jahre)
  • Malaria

Sonderfall Malaria

Grundsätzlich gilt:

Der Schutz vor Mückenstichen(= Expositionsprophylaxe) hat jederzeit höchste Priorität und ist sehr ernst zu nehmen! Maßnahmen :

  • Gestillte Kleinkinder benötigen einen eigenen Schutz, da die Muttermilch diesen nicht bietet
  • Mückenfeste Kleidung tragen( dicht gewebt und möglichst dunkel)
  • Kindergeeignete Repellentien  (=Anti-Moskito-Mittel) verwenden, um unbedeckte Hautstellen damit einzureiben und auch die Kleidung einzusprühen ( die kindgerechte Dosierung von DEET mit dem Arzt besprechen!)
  • Die Kinder immer unter dichtgewebten Moskitonetzen schlafen lassen

Ein medikamentöse Malariaprophylaxe wird generell für Hochrisiko-Gebiete mit großer Übertragungsrate empfohlen, viele Reisemediziner sind jedoch der Auffassung, ein Kind braucht den maximalen Schutz-also die medikamentöse Prophylaxe, kombiniert mit einem gewissenhaften Schutz vor Moskitostichen

Welches Medikament im Einzelfall zur Prophylaxe eingesetzt wird, sollte der Arzt entscheiden

  • Mit fiebernden Kindern sofort zum Arzt gehen
  • Bei Kindern unter 3 Monaten kann Malaria auch ohne Fieber auftreten
  • Bei Reisen in die Tropen sollte man sich dessen bewusst sein, dass es keinen hundertprozentig sicheren Malariaschutz gibt-die Kinder sind stets einem Restrisiko ausgesetzt!

Malaria-Medikamente können schwere Nebenwirkungen haben-bei Kindern UND Erwachsenen! Bitte informiert Euch ausgiebig und gründlich!

Folgende Medikaente werden i.d.R. zur Prophylaxe bei Kindern ab einem Körpergewicht von 5 Kg eingesetzt:

  • Atoquavon/Proguanil( Markenname: Malarone)
  • Mefloquin( Markenname: Lariam)
  • Chloroquin

 

Kinder müssen vor Umwelteinflüssen besonders geschützt werden, da sie völlig anders, als Erwachsene darauf reagieren.

Kinder und Höhe:

In Höhenlagen wird die Luft „dunner“, d.h. ihr Sauerstoffgehalt nimmt ab.  Es kann zu akuter Höhenkrankheit kommen. Deren Symptome sind:

  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Verwirrtheit und Benommenheit

Das ist für Erwachsene schon ein enormer Stress. Kinder sind besonders gefährdet, es gelten daher folgende Emplfehlungen:

  • Kinder unter einem Jahr sollten eine Höhe von 1500 Metern nicht überschreiten
  • Im zweiten Lebensjahr sind 1800 bis 2000 Höhenmeter die Obergrenze
  • Wenn mit der Seilbahn sehr schnell viele Höhenmeter überwunden werden, kann ein Kind Probleme mit dem Druckausgleich bekommen-das gilt besonders, wenn das Kind erkältet ist und Schnupfen hat. Durch die Blockade des Belüftungsganges zwischen Mittelohr und Rachenraum hat das Kind dann einen unangenehmen Druck auf den Ohren. In einem solchen Fall helfen abschwellende Nasensprays und regelmäßiges, ausreichendes Trinken (Quelle:Dr.med, Andrea Schmelz)

Kinder und Sonne:

Ein Sonnenbrand im Kindesalter sollte nach Möglichkeit vermieden werden, daher gilt:

  • Nicht ohne Kopfbedeckung in die Sonne, in den ersten Urlaubstagen sollte das Kind zusätzlich ein T-Shirt tragen
  •  mittags und am frühen Nachmittag ist die Sonne komplett zu meiden
  • Sonnenschutzmittel mit LSF 50 sowie Sunblocker für Nase, Ohren, Schultern und Rücken verwenden
  • Auch wasserfeste Präparate müssen nach dem Baden und Abtrocknen erneuert werden
  • Mehrmaliges Eincremen erhöht nicht die Gesamtschutzzeit-das kann nur ein Sonnenschutzmittel mit höherem Lichtschutzfaktor

Bei Gefahr von Quallenberührungen eine Kombination von Sonnen-und Quallenschutz verwenden

  • Das Kind Badeschuhe tragen lassen, um Verletzungen , z.B. durch Seeigel oder spitze Gegenstände, auf die das Kind treten könnte , vorzubeugen
  • Das Kind nicht nackt auf dem Sand am Strand sitzen lassen-Gefahr von Wurminfektionen
  • Wenn Kinder Medikamente nehmen müssen-zuvor klären, ob diese die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen

Das Kind muss ausreichend trinken( Mineralwasser oder kühle Tees)

Kinder und Hitze

Mit Klimaumstellungen haben Kinder größere Probleme, als Erwachsene. Sie reagieren schneller mit Hitzeausschlag oder Pilzerkrankungen, Daher ist darauf zu achten, dass

  • Kinder leichte Baumwollkleidung mit UV-Schutz tragen
  • täglich duschen, um z.B. durch die hohe Luftfeuchtigkeit verursachte Pilzerkrankungen zu vermeiden
  • empfindliche Körperstellen eingepudert werden

 

Außerdem sollten Eltern darauf achten, dass Medikamente gegen Erkältungen mit in der Reiseapotheke sind. Durch den Unterschied zwischen klimatisierten Innenräumen und der viel höheren Außentemperatur ist das Kind anfälliger.

Kinder und Schwimmen und Baden( in Meer und Swimmingpool)

Es wird empfohlen, Kinder im tropischen Süßwasser nicht baden zu lassen( Flüsse, Kanäle, Seen und andere Binnengewässer können mit Larven verseucht sein, die die Haut durchdringen und z.B: Billarziose verursachen)

  • Das Kind sollte  beim Baden im Meer konsequent dazu angehalten werden, kein Wasser zu schlucken und stets beaufsichtigt werden, da je nach Region mit starken Strömungen zu rechnen ist.
  • Kinder und Essen und Trinken
  • Um Infektionen zu vermeiden, sollten Eltern auf folgendes achten.
  • Strenge Hygiene-Händewaschen vor dem Essen und zum Zähneputzen Mineralwasser verwenden

Diese Speisen und Getränke konsequent meiden:

  • Leitungswasser
  • Eiswürfel
  • Obstsalat
  • kalte Buffets
  • Salate und rohes Gemüse
  • Eis ( sowohl Softeis, als auch Speiseeis)
  • Tiefkühlprodukte-die Kühlkette könnte unterbrochen gewesen sein
  • länger warmgehaltene Speisen
  • Roher Fisch, rohes Fleisch, Austern

Auch für die Kindererhährung auf Reisen gilt der Merksatz: “ Cook it, peel it , boil it or forget it!“ Am sichersten sind frisch zubereitete, durchgegarte Nahrungsmittel, Mineralwasser in Flaschen und abgepackte Fruchtsäfte. Tee immer mit sprudelnd kochendem ( und am besten noch gefiltertem und desinfiziertem) Wasser zubereiten, nicht pasteurisierte Milch zuvor abkochen.

Was gehört in eine kindgerechte Reiseapotheke?

Eine kindgerechte Reiseapotheke sollte mit diesen Medikamenten ausgestattet sein:

Mittel gegen

  • Fieber
  • Durchfälle
  • Husten
  • Schnupfen
  • Bindehautentzündung der Augen
  • Reisekrankheit

Ferner sollte enthalten sein

  • Sonnenschutz
  • Insektenschutzmittel, speziell Anti-Moskito-Mittel
  • Desinfektionsmittel

 

  • Sowie alle Medikamente, die das Kind ständig einnehmen muss.

Kinder und Medikamente:

  • die korrekte Dosierung ist bei Kindern sehr wichtig! Es sollte nach dem Körpergewicht und nicht nach dem Alter des Kindes dosiert werden.
  • Für Babys gibt es zur Verabreichung flüssiger Medikamente sog. Medizinschnuller in der Apotheke.( ca. 5 EUR)
  • Eine ausführliche Beratung beim Arzt UND beim Apotheker ist anzuraten.
  • Informiert Euch intensiv darüber, welche Wirkstoffe für Kinder geeignet sind.

 

So, das waren nun sehr viele Informationen über mögliche Gefahren für Kinder auf Reisen-trotzdem solltet Ihr die Ruhe bewahren!

Bereitet Euch einfach so gut wie möglich vor, damit schließt Ihr schon einmal vieles aus!

Allen Eltern wünsche ich einen schönen, gesunden und entspannten Urlaub mit ihren Kindern!

 

Eure Felicitas

PS: Hier findet Ihr hilfteiche Infos zum diesem und vielen anderen Themen rund um Reisen mit Kindern:

Das Onlinemagazin KidsAway https://www.kidsaway.de

Das Spezialreisebüro Travelkid https://www.travelkid.at/

Das Forum Elternwissen https://www.elternwissen.com/home.html

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